Xencelabs Pen Display 24+ im Praxistest

Ein Stiftdisplay für Fotografen

Die 2019 gegründete amerikanische Firma Xencelabs ist ein Zusammenschluss von ehemaligen Mitarbeitern aus Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung und Design des Grafiktablett-Spezialisten Wacom. Gerade ist die neuste Generation des großen Stiftdisplays „Pen Display 24+“ auf den Markt gekommen und schickt sich an das vom Wacom dominierte Profi-Segment in den Bereichen Digital Art, Konstruktion, Video Bearbeitung & Grading, sowie Fotografie gehörig aufzumischen. Wir konnten bereits einen Blick auf ein frühes Serienmodell werfen, bevor es auf den Markt kam.

Text und Bilder: Dr. Björn K. Langlotz

Was ist im Karton?

Das Pen Display 24+ kommt wie wir es bereits beim Pen Display 16 Bundle erleben durften, in einer gut gepolsterten Verpackung. Beim Auspacken lächelt den Käufer als erstes eine Dankeschön-Karte im Format des Displays an. Die Karte ist aber nicht nur ein Gimmick, sondern birgt auf der Rückseite sowohl die Liste der mitgelieferten Teile des Pen Display 24+, als auch eine Schnellstartanleitung. Weiteres gedrucktes Material spart sich Xencelabs und verweist auf seine Support-Seite, wo sich auch die Treiber zum Download finden. Am Zubehör spart Xencelabs wiederum nicht! Der Karton birgt neben dem Stift-Display mit Netzteil viel Zubehör:

  • Stiftetui mit einem dicken 3-Tasten Stift und Radiergummi, einem dünnen Stift mit 2 Tasten und Radiergummi, insgesamt 8 Standardspitzen und 4 Filz-Spitzen sowie einem Werkzeug zum Wechseln der Stiftspitzen, einem USB-A Bluetooth-Dongle nebst USB-C Adapter.
  • Ein Microfaser-Tuch zur Display Reinigung
  • Ein Zeichenhandschuh
  • Zwei Clips zur Befestigung der Stifte am Display
  • Eine Quick-Key Fernbedienung mit Display-Halterung
  • Ein Xencelabs-Werbeaufkleber
  • Ein USB-C Kabel (ein L-Winkel Stecker)
  • Ein USB-A auf USB-C (L-Winkel) Kabel
  • Ein USB-A auf USB-C Kabel
  • Ein Displayport-Kabel (ein L-Winkel Stecker)
  • Ein HDMI-Kabel (ein L-Winkel-Stecker)

Einrichten des Pen Display 24+ und der Quick Key-Fernbedienung

Das Einrichten des Displays ist schnell erledigt: Einfach das Display mit Netzteil verbinden und es mit dem USB-C Kabel an den Computer anschließen. Wer noch kein USB-C am Computer hat, nimmt das USB-A Kabel und zusätzlich das DisplayPort oder HDMI-Kabel.

Nun noch den USB-Dongle in einen freien USB-A oder USB-C Port stecken. Dieser ist für die Quick Key Fernbedienung notwendig. Xencelabs verwendet absichtlich einen USB-Dongle, um mögliche Interferenzen oder Inkompatibilitäten mit Bluetooth-Modulen und anderen Geräten wie Maus, Tastatur oder Mobiltelefon vorzubeugen.

Nun wird das Pen Display 24+ eingeschaltet und der Treiber heruntergeladen und installiert. Zur Einrichtung der Quick Keys und zum Laden des Akkus muss dieses mit einem USB-Kabel an den Computer angeschlossen werden. Sobald das Pairing der Quick Keys mit dem Dongle im Treiber abgeschlossen ist, kann das USB-Kabel auch schon wieder verschwinden.

Das Tablet

Ein 24‘‘ Tablet ist natürlich nie klein und handlich, aber das Xencelabs Pen Display 24+ ist mit seinen 3,5 cm Dicke erstaunlich schlank. Das Gehäuse besteht aus Metall und ist so konstruiert, dass es die Abwärme des Displays ableitet. Daher benötigt das Pen Display 24+ keinen störenden Lüfter. Auch nach 6 h Arbeit bliebt das Display maximal handwarm und es war kein Farbdrift (s.u.) erkennbar, was auf eine Überhitzung schließen ließe. Damit haben die Entwickler um Michael Thompson und den Designer Volker Hübner gute Arbeit geleistet. Aber nicht nur hier: Die gesamte Front besteht aus einer Glasoberfläche ohne Fugen, die verdrecken könnten. Das Tablett ist damit sehr leicht zu reinigen.

An der Oberseite befindet sich der Einschalter, der von den zwei USB-A Steckern des eingebauten Hubs flankiert ist. Mit diesem lässt sich beispielsweise die Quick Key Fernbedienung aufladen oder der Bluetooth-Dongle einstecken.

Seitlich befinden sich an allen Seiten je zwei Schlitze. Im Auslieferungszustand sind die Unteren von Gummifüßen belegt, die dem Display mit dem eingebauten Ständern Halt auf dem Tisch verschaffen. Die anderen sechs Schlitze dienen der Aufnahme der Stifthalter.

Auf der Rückseite finden sich Anschlüsse für die zuvor erwähnten Kabel. Da alle Kabel mit L-Steckern versehen sind, stehen diese nicht weit ab.

Praktisch: Für die Quick Keys liefert Xencelabs eine Halterung mit, die man an den Displayrand schieben kann. Damit hat man immer schnell Zugriff auf die Fernbedienung, wenn man sie nicht auf den Schreibtisch liegen hat. Doch dazu später mehr.

Erst nach dem Einschalten erkennt man am Displayrand oben rechts drei Touch-sensitive Tasten. Diese lassen sich im Treiber mit vielen Funktionen belegen. Das ist sehr praktisch.

Die Stifte

Wie bei vielen Xencelabs-Geräten hat man auch beim Pen Display 24+ die Qual der Wahl: Es werden gleich zwei Stifte mitgeliefert: einen Drei-Tasten-Stift und einen schlankeren Zwei-Tasten-Stift, beide mit Radiergummi am Ende. Bei beiden Stiften handelt es sich um die neuen Stifte der 2. Generation, die mit einigen Problemen der ersten Generation aufräumen. Bei anderen Herstellern erhält man meist nur einen Stift.

Die Stifte liegen angenehm in der Hand und verfügen über einen gummierten Griff, wobei die Tasten während des Zeichnens ergonomisch und griffgünstig positioniert sind. Die Tasten des Drei-Tasten-Stifts sind mit unterschiedlicher Textur versehen, so dass man fühlt, welche Taste man gerade drückt.

Die Stifte besitzen eine Abtastrate von 8.192 Druckstufen und eine Neigungserkennung von bis zu 60°. Wie heute üblich sind sie batterielos. Die Funktionsweise basiert auf Induktion genau wie beim Platzhirsch Wacom. Die Spitzen der Stifte sind gegen Filzspitzen austauschbar.

Die Stifte bestehen aus Kunststoff. Dies ist notwendig, damit Xencelabs die praktische und intuitive Radiergummi-Funktion einbauen kann.

Die Quick Key Fernbedienung

Die Quick Key genannte Fernbedienung gehört zu den Besonderheiten von Xencelabs, die eine wirkliche Bereicherung sind. Die Fernbedienung mit ihren 8 Funktionstasten und Scrollrad hat genau die richtige Größe und Anordnung der Tasten, damit die Finger intuitiv ihren Paltz finden.

Sie kann frei orientiert werden, was man bei der Konfiguration im Treiber angibt. Dies ist nötig, weil ein helles OLED-Display die aktuell gewählten Funktionen der 8 Tasten anzeigt. Dies ist praktisch, weil man jede Taste mit bis zu 5 verschiedenen Funktionen belegen kann. Dies ist sogar Programm-spezifisch einstellbar. Somit kann man beispielweise für Adobe Photoshop 40 Shortcuts auf der Fernbedienung belegen und für Capture One andere 40 Shortcuts. Der Wechsel erfolgt automatisch je nach gerade verwendetem Programm.

Das Scrollrad ist von einem leuchten Ring umgeben, der die Funktion des Scrollrads visuell anzeigt. 4 verschiedene Funktionen sind möglich. Auch dies ist wieder Programm-spezifisch einstellbar. Einzig die Leichtgängigkeit des Scrollrads könnte man bemängeln. Allerdings ist das auch Geschmacks-und Gewöhnungssache. Nach wenigen Tagen Arbeit mit den Quick Keys fiel mir dies nicht mehr negativ auf.

Die Funktionseinstellung der Quick Key Fernbedienung erfolgt im Treiber. Dort kann man einerseits für dedizierte Programme Shortcuts bzw. Funktionen oder Tastenkombinationen einer Taste zuweisen und andererseits für das Betriebssystem und alle nicht gesondert definierten Programme.

Der Ständer

Der mitgelieferte Ständer erlaubt es das Pen Display 24+ von 16° bis 72 ° aufzustellen. Er ist mit einer Vesa-Aufnahme befestigt, so dass man das Pen Display 24+ auch an einem Vesa-Arm befestigen kann. Der Ständer fühlt sich solide an und besteht aus Metall und Kunststoff. Die Neigungseinstellung ist nicht vollständig stufenlos sondern eng gerastet. Dies ist notwendig, damit das Pen Display 24+ stabil steht.

Alternativ bietet Xencelabs noch den ausgefeilten „Multi-Axis-Stand“ als Zubehör an. Dieser erlaubt das stufenlose Drehen des Displays, und eine Positionierung des Displays über der Tischkante. Dies ist insbesondere für Zeichner und Illustratoren interessant, weil sie so eine sehr ergonomische Haltung annehmen können. Aber auch bei aufwändigen Retuschen fand ich diese Positionierung angenehmen. Auch hier haben die Entwickler mitgedacht und liefern eine Befestigung mit, mit der das Display vor dem Herunterrutschen von der Tischkante geschützt wird.

Die Konfiguration des Tablets und der Stifte

Die Konfigurationsmöglichkeiten des Tablets umfassen zum einen die drei Touch-Tasten und zum anderen die Display-Einstellungen inkl. der Farbdarstellung. Denn diese erfolgt nicht auf Betriebssystem-Ebene, sondern direkt in der 3D-LUT (Look-up-table) des Tablets. Doch dazu später mehr.

Zunächst kann man im Reiter „Pen Display 24+“ den Touch-Tasten des Displays unterschiedliche Funktionen zuweisen. Beispielsweise kann man mit einer Taste die Treibereinstellungen öffnen, mit der zweiten die Einstellung für die Druck-Kurve der Stifte und mit der dritten könnte man den virtuellen Tablet-Modus aktivieren. Zudem kann man die Farbe der Ringe um die Touch-sensitiven Tasten verändern.

Die Einstellung erfolgt für beide Stifte getrennt. Dabei empfiehlt es sich sehr die erweiterten Einstellungen zu öffnen. Dort kann man neben dem Druckverlauf in Form einer Kurve auch den Anfangsdruck, ab dem der Stift reagiert, definieren. Das ist sehr praktisch, erfordert aber wie bei jedem Grafiktablett oder Stiftdisplay ein wenig Ausprobieren.

Auch die drei bzw. zwei Tasten der Stifte werden im Treiber konfiguriert. Interessant: Dem Radiergummi kann man auch andere Funktionen als „Radieren“ zuweisen, was insbesondere außerhalb von Grafikprogrammen sehr viel weitere Möglichkeiten eröffnet. Man erhält hier also 4 bzw. 3-Tasten-Stifte.

Auf den ersten Blick etwas verwirrend ist der unterste Eintrag in der Seitenleiste des Treibers, der auf den Namen Geräteeinstellungen hört. Hier verbergen sich wichtige Einstellungen wie die Positions-Kalibrierung der Stifte, der virtuelle Tablet-Modus und die mächtigen Farbeinstellungen des Displays.

Die Farben und die Hardwarekalibrierung des Displays

Das Pen Display 24+ bietet im Treiber Einstellungen für Helligkeit und Kontrast, sowie erweiterte Einstellungen, um den Weißpunkt und das Gamma einzustellen.

Die maximale Helligkeit des Displays messen wir zu 410 cd/m2 was deutlich heller als die Herstellerangabe von 330 cd/m2 ist. Damit hat das Pen Display 24+ auch in sehr hellen Räumen viel Reserven. Dabei erreicht der Monitor ein gutes Kontrastverhältnis von 920:1, so wie es viele typische Grafikmonitore besitzen. Zum Vergleich: unser Referenzmonitor Eizo CG2700X erreicht etwa 1350:1.

Im Bereich Homogenität der Helligkeits- und Farbverteilung spielt das Display des Pen Display 24+ im Mittelfeld von Grafikmonitoren mit: Unser Testgerät zeigte im gesamten Bildfeld eine Helligkeitsabweichung von unter 10 %, was man praktisch nicht erkennen kann. Nur oben links wich sie mit 12 % deutlicher ab. Im Bereich der Farbhomogenität sind die Abweichungen etwas höher. Wir messen in großen Teilen des Bildfeldes Abweichungen von dE ca. 2,5. Nur in den beiden oberen Bildecken liegt die Abweichung bei dE ca. 4. Das ist zwar nicht optimal, aber für ein LCD-Display, das nicht dediziert als spezielles Grafikdisplay konzipiert ist und zudem mit der Sensorik für die Stifterfassung und einem laminierten Deckglas ausgestattet ist, geht das in Ordnung. Bessere Werte sieht man eigentlich nur bei speziellen LCD-Grafikmonitoren, die mit einem Homogenitätsausgleich versehen wurden und einzelnen in Handarbeit gefertigt werden. Manche OLED-Grafikmonitore erreichen ebenfalls etwas bessere Werte.

Der Treiber bietet Presets für die Farbräume AdobeRGB, sRGB, REC 709, DCI-P3, REC 2020 und Pantone®. Eine Besonderheit ist der Menüpunkt Calman® Kalibrierung für die Hardware-Kalibrierung, die man getrennt in Calman® Studio durchführt. Wenn man im Treiber ein Preset einstellt, muss man im Betriebssystem das passende Profil auswählen, weil sonst die Farbdarstellung nicht stimmt. Dies übernimmt der Treiber derzeit nicht automatisch für den Benutzer.

Für farbkritische Anwendungsfälle sollten die Presets jedoch nur mit Vorsicht verwendet werden. Beim Testgerät wurden folgende Messergebnisse erzielt: AdobeRGB (96 % Abdeckung, Farbabweichung dE 1,8), sRGB (98 % Abdeckung, Farbabweichung dE 2,1), REC 709 (98 % Abdeckung, Farbabweichung dE 1,8), DCI-P3 (92 % Abdeckung, Farbabweichung dE 1,8), REC 2020 (79 % Abdeckung, Farbabweichung dE 2.0). In den meisten Presets liegt die Farbabweichung minimal bei nicht sichtbaren dE von 0,6. Durchschnittlich liegt sie jedoch bei sichtbaren dE von etwa 2. Maximal werden bis zu dE 6 – 7 gemessen. Das ist erheblich sichtbar. Schuld daran sind zwei Faktoren: zum einen liegt die werksseitige Farbtemperatur nicht bei 6500 K wie bei den meisten der getesteten Farbräume vorgegeben, sondern liegt zwischen 6100 und 6200 K. Zum anderen ist das Gamma des Displays in den meisten Preset 2,4 anstatt 2,2. Im DCI-P3 Farbraum, der einen höheres Gamma hat, liegt es sogar noch höher.

Presets sind natürlich gut, aber wirklich farbverbindlich wird jeder Monitor nur nach einer Profilierung und Kalibrierung, weil die Serienschwankungen zu groß sind. Dies haben wir auch bei unserem Test von Grafikmonitoren erlebt.

Mittels der Software Calman® Studio kann das Display des Pen Display 24+ Hardware-kalibriert werden, die allerdings nur für Windows zur Verfügung steht. Dabei werden die Farbkorrekturen nicht durch die Grafikkarte durchgeführt, sondern in der Hardware mittels der sogenannten 3D-LUT (Look-up-table), die mit 16 bit pro Farbe ausgeführt ist. Als Beispiel haben wir AdobeRGB ausgesucht. Das Ergebnis beeindruckt: Der Monitor erreicht nun 98% AdobeRGB Abdeckung mit einem durchschnittlichen Farbfehler von unter dE 0,5. Das Maximum ist dE 0,8. Dies sind Sptizenwerte!

Calman® Studio ist recht teuer und ist daher insbesondere in größeren professionellen Studios für Videobearbeitung & Grading, Spieleentwicklung und ähnlichen Anwendungen in Verwendung. Für alle, die diese Software nicht einsetzen möchten, für die aber Farbgenauigkeit dennoch eine wichtige Eigenschaft ist, wie freischaffende Fotografen oder Illustratoren, gibt es jedoch eine gute Alternative: Da der Xencelabs Treiber die Einstellung der Farbtemperatur, des Gammas, der Helligkeit und des Kontrasts erlaubt, kann man mittels einer Software-Kalibrierungs-Lösung wie dem Datacolor SpyderPro dennoch praktisch zu einer Hardware-Kalibrierung kommen. Allerdings ausschließlich im nativen Farbraum des Displays. Dies ist jedoch kein ernsthaftes Problem. Das Vorgehen ist wie folgt:

Zunächst wird der Kalibrierungsprozess gestartet und als Weißpunkt z.B. D65, Gamma 2,2 angegeben, sowie die gewünschte Helligkeit. Es wird jedoch kein Zielfarbraum ausgewählt. Wichtig ist es nun der Kalibrierungssoftware mitzuteilen, dass man die oben genannten drei Werte einstellen kann. Bei der Kalibrierung werden nun diese drei Werte eingestellt und gemessen. Beim Gamma musste unser Gerät im Treiber auf 2.0 gestellt werden, um bei der Messung tatsächlich 2,2 zu erreichen. Beim Weißpunkt bot der Treiber hier jedoch zunächst keine guten Optionen, weil nur grobe Kelvin-Stufen z.B. 5700 K, 6500 K etc. vorhanden sind, die erheblich vom Ziel abweichen. Zum Glück hat Xencelabs hier aber Abhilfe geschaffen, in dem man die Farbwerte getrennt für die drei Kanäle einstellen kann. Damit gelang es den Weißpunkt mit einer Abweichung von nur dE 0,09 abzustimmen.

Anschließend wurde der Kalibrierungsprozess durchlaufen. Da nun aber die Abweichung von den Zielwerten sehr gering sind, werden in diesem Farbprofil auch kaum Korrekturen in der Grafikkarte vorgenommen. Im schlimmsten Fall muss in den schwierigen Neutraltönen Anpassungen eingerechnet werden.

Das Ergebnis ist beachtenswert:

sRGB wird vollständig abgedeckt, AdobeRGB sogar zu 99% und DCI-P3 zu 93 %. Diese Werte entsprechen exakt den Angaben von Xencelabs und sind ein sehr großer Farbraum für ein LCD Display. Die Farbabweichung vom Soll beeindruckt ebenfalls: sie reicht von dE 0,09 bis 0,57. Visuell lässt sich auch gut erkennen, dass Farbverläufe in den Grundfarben rot, grün und blau, sowie im kritischen Grau vollkommen homogen sind. Bei merklichen Korrekturen würden hier für das geschulte Auge schnell Artefakte sichtbar.

Doch was geschieht nun, wenn man in einer Grafikanwendung wie Affinity Photo 2 oder Adobe Photoshop in einem Farbraum arbeitet, der kleiner ist? Da das Betriebssystem und damit die Programme den Farbraum des Pen Display 24+ kennen, werden die Farben korrekt angezeigt. Andersherum werden Farben außerhalb des darstellbaren Spektrums des Pen Display 24+ –wahrnehmungsgerecht – auf die Grenzen des Farbraums umgerechnet.

Das Stift-Display im Einsatz

Im Einsatz spielen eine ganze Reihe an Faktoren eine Rolle, die je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich gewichtet werden. Wir haben uns das Pen Display 24+ insbesondere in den Bereichen Video Grading & Bearbeitung, Foto-Retusche und Zeichnen angeschaut. In keinem Anwendungsfall ist uns eine erhebliche Verzögerung zwischen Stiftposition und Cursor aufgefallen, die zumindest vor einiger Zeit noch recht häufig bei Stift-Displays anzutreffen war. Dies ist allerdings auch abhängig vom Computer, Betriebssystem und den Programmen. Unser System bestand aus: MacBook Pro M3 Max mit MacOS 15.5 (Sequoia), Adobe Photoshop, Affinity Photo 2, Affinity Designer 2, Capture One 16.6, DaVinci Resolve 19

Das Zeichengefühl

Beim Xencelabs Pen Display 24+ liegt das Zeichengefühl der Standard-Spitze zwischen einem Ball-Pen und einem HB-Bleistift auf gestrichenem Papier. Die Filzspitze führt zu einer deutlichen Zunahme des Zeichenwiederstands. Jetzt liegt das Zeichengefühl zwischen HB-Bleistift und Filzstift. Diese Spreizung ist insgesamt gelungen.

Druckdosierung und -sensitivität

Druckdosierung und -sensitivität sind grundlegende Eigenschaften jedes Grafiktabletts bzw. Zeichendisplay, die die meiste Anpassungen benötigen. Das Pen-Display 24+ erlaubt vielfältige Einstellungen, die sehr stark von den Vorlieben des Nutzers abhängen. In unserem Test war die Anfangssensitivität, ab der die Stifte reagierten, sehr empfindlich. Xencelabs gibt hier nur 3 g „Druck“ an. Einerseits ist das natürlich sehr gut, andererseits können so beispielsweise unbeabsichtigte Striche beim Zeichnen entstehen. Xencelabs ist sich dessen bewusst und erlaubt im Treiber sowohl den Anfangsdruck als auch die Abhängigkeit der Zeichendicke (oder Transparenz, je nach Wunsch im Grafikprogramm) einzustellen. Mit ein wenig Übung findet man schnell eine passende Einstellung. Über den Testzeitraum veränderte sich die mechanische Druckanhängigkeit und damit die elektronische Abtastung im Stift nicht.

Genauigkeit

Wie bei allen Grafiktabletts üblich folgt die Maus dem Stift bereits kurz über der Oberfläche. Der Abstand beim Pen Display 24+ beträgt einige Millimeter. Wie genau der Stift und das Display arbeiten kann im Treiber im Rahmen der Positionskalibrierung optimiert werden. Dazu muss man mit der Stiftspitze insgesamt fünf angezeigte Fadenkreuze genau in der Mitte treffen. Die Kalibrierung ging einfach von der Hand und erfolgte präzise. In den Bereich Genauigkeit fällt auch eine Eigenschaft, mit der einige Stiftdisplays auch heute noch Probleme haben: dem Zittern (engl. jitter). Hierunter versteht man wellenförmige Unregelmäßigkeiten in geraden Linien. Unser Test mit Hilfe eines Lineals führte zu einem praktisch unmessbaren Jitter. Selbst in der 300 % Ansicht konnte der Jitter kaum ausgemacht werden. Das ist hervorragend!

Retusche mit dem Pen Display 24+

Im Gegensatz zu erheblich kleineren Stiftdisplays kann man am Pen Display 24+ sowohl die Programmoberfläche (getestet: Capture One und Affinity Photo 2) als auch das eigentliche Bild ausreichend groß sehen. Die ist wichtig, um auch präzise retuschieren zu können. Hier spielt nun das kalibrierte Pen Display 24+ seine Stärken voll aus, denn man muss nicht mehr auf einem Grafiktablett retuschieren und auf einen kalibrierten Grafikmonitor mit verbindlichen Farben vor sich schauen, sondern retuschiert direkt auf Stiftdisplay mit präzisen Farben und hohem Farbumfang.

Videobearbeitung

In der Videobearbeitung werden außerhalb von Studios selten Stiftdisplays eingesetzt. Doch gerade die großen Stiftdisplays wie Xencelabs Pen Display 24+ sind hier eine echte Bereicherung! Gerade die vielen sehr kleinen Steuerelemente beispielsweise in DaVinci Resolve, wenn man mehrere Video- und Audiospuren verwendet, sind mit dem Stift viel leichter präzise zu positionieren als mit einer Maus. Auch hier spielt nun die Hardware-Kalibrierung des Pen Display 24+ seine Fähigkeiten voll aus, denn nun sieht man direkt dort, wo man arbeitet, sehr präzise alle Anpassungen. Insbesondere für alle, die mit Roh-Videodaten arbeiten und Video-Grading (die Farbanpassung und Optimierung des Videos) durchführen ist dies ein wahrer Segen.

Der virtuelle Tablett-Modus

Im Einsatz erweist sich die Funktion „virtuelles Tablett“ als sehr praktisch. Man kann diese beispielsweise über eine der drei Funktionstasten oder eine der Stifttasten aktivieren. Ist sie aktiv erscheint auf dem Stift-Display eine gelbe Fläche, deren Größe konfiguriert werden kann. Diese repräsentiert die angeschlossenen Monitore bzw. eine Auswahl davon. Bewegt man nun den Stift über diese Fläche, erscheint der Cursor auf dem entsprechenden Display. Auf diese Weise kann man beispielsweis sehr einfach Fenster von einem Display bzw. den Pen Display 24+ zu anderen Displays verschieben.

Fazit:

Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Grafiktabletts und Stift-Displays der Firma Wacom. Kaum verwunderlich waren doch alle anderen Geräte bis dato nicht konkurrenzfähig. Seitdem wir die Gelegenheit hatten mit dem neuen Pen Display 24+ und dem kleinen Bruder Pen Display 16 (für den mobilen Einsatz) zu arbeiten, denken wir darüber etwas anders:

Xencelabs mit seinem namhaften Team hat es inzwischen geschafft mit dem Pen Display 24+ ein Gerät auf den Markt zu bringen, das die Geräte von Wacom mindestens einholt, und was die Farbdarstellung angeht, meist übertrumpft. Die ausgesprochen gute Oberfläche des Pen Display 24+ schluckt marginal Schärfe, wenn man sie beispielsweise mit einem Apple Display vergleicht, führt jedoch zu einem sehr natürlichen Zeichengefühl das stark an Papier erinnert. Darüber hinaus schafft die Oberfläche das Spagat gleichzeitig eine sehr gute Entspiegelung zu erreichen.

Für den professionellen Einsatz im Bereich Video Grading & Bearbeitung und Spieleentwicklung bringt das Pen Display 24+ nun eine Hardware-Kalibrierungsschnittstelle für die Calman® Studio Software mit. Wird das Display Hardware-kalibriert, fügt es sich perfekt in den Workflow in diesem Bereich ein und steht professionellen Grafikmonitoren in nicht mehr viel nach. Für Fotografen ist die Calman®-gestützte Kalibrierung weniger interessant. Dafür lassen sich Farbtemperatur und Gamma im Treiber hardwareseitig einstellen. Damit ist es möglich den nativen Farbraum zu profilieren, um den maximalen Farbraum zu verwenden. Im Vergleich zu einer Hardware-Kalibrierung sind die Abstriche gering.

Das 24‘‘ große Xencelabs Pen Display 24+ hat sich damit zu einer sehr ernsthaften Alternative zu Geräten der Firma Wacom entwickelt. Auch außerhalb der klassischen Anwendungsbereiche wie Konstruktion, Zeichnen und Video-Bearbeitung für solch große Stiftdisplays zeigt das Pen Display 24+ klar seine Stärken: nie ging die Fotoretusche mit präzisen Farben und großem Farbraum leichter von der Hand!