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FISCH. GEMÜSE. WERTPAPIERE. FIDE STRUCK

22. Januar 2020 - 23. November 2020

Fide Struck, Lüneburger Heidebauern, Vater und Sohn beim Essen, 1930-33, Foto bpk-Bildagentur, Fide Struck (Slg. Thomas Struck)

Markante Portraits und ungewöhnliche Perspektiven zeichnen die Bilder des Fotografen Friedrich „Fide“ Struck (1901 – 1985) aus, der in den frühen 1930er Jahren die Arbeit im Hafen, die Bauern im Hamburger Umland, aber auch die Händler an der Hamburger Börse festgehalten hat. Nachdem seine Fotografien erst 2015 in einem alten Holzkoffer wieder-entdeckt wurden, werden die Arbeiten des Autodidakten und Arbeiterfotografen jetzt vom Altonaer Museum in Zusammenarbeit mit der Stiftung F.C. Gundlach zum ersten Mal in einer Ausstellung präsentiert. In diesem Jahr wurde der komplette Bestand von Strucks Oeuvre in das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (bpk-Bildagentur) aufgenommen.

In Hamburg und Altona fotografierte Fide Struck in den Jahren zwischen 1930 und 1933 vor allem die Arbeiter im Hafen, in der Altonaer Fischauktionshalle und den Fischräuchereien, die Bauern auf dem Gemüsemarkt an den Deichtorhallen sowie den Handel an der Hamburger Börse. Seine Fotos bestechen zum einen durch ihre Nüchternheit, inspiriert von „Neuer Sachlichkeit“ und „Neuem Sehen“, besitzen aber in ihrer Empathie für die Welt der einfachen Arbeiter und Bauern auch einen politischen Charakter.

Unter dem NS-Regime wurde diese sozialkritisch motivierte Arbeiterfotografie zuneh-mend gefährlich. Struck fokussierte sich mehr und mehr auf unpolitische Sujets, nach 1934 fotografierte er nur noch seine Familie. Die Glasnegative seiner Arbeiten verwahrte er in einem Holzkoffer, der ihn in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit von Berlin über Hamburg nach Stuttgart und letztendlich wieder nach Hamburg begleitete. Dort lagerte der Koffer über Jahrzehnte in einem Keller, bis Fides Sohn, der Filmemacher Thomas Struck, den historisch spektakulären Inhalt im Jahr 2015 entdeckte und sichtete.

Fide Strucks Biografie ist zunächst von seiner Begeisterung für die Jugendbewegung unddie Ideale der Lebensreform der 1920er Jahre geprägt. Ab 1924 lernte er das Fotografieren in Gildenhall, in einer vom Werkbund und vom Bauhaus beeinflussten Gemeinschaft von Kunsthandwerkern im Norden Brandenburgs. Als sich dieseHandwerksgemeinschaft 1929 auflöste, hatte Struck mitten in der Weltwirtschaftskrise Glück im Unglück. Als Fotograf einer Siedlungsgesellschaft dokumentierte er deren Bautätigkeiten und konnte auf diesem Weg seinen Lebensunterhalt bestreiten. Daneben fotografierte er freiberuflich zahlreiche Reportagen, in denen er sich als Arbeiterfotograf dem Alltag der Menschen in Betrieben, auf Märkten und in den Straßen näherte.

Die wiederentdeckten Fotografien Strucks sind in ihrer herausragenden fotografischen Qualität und ihrem exzellenten Erhaltungszustand ein kleiner Schatzfund. Sie legenZeugnis ab von der bildsprachlichen Entwicklung des Mediums Fotografie zwischen 1918 und 1933 und erlauben einen besonderen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen in Hamburg und Altona in den frühen 1930er Jahren.

Im Zuge der Corona bedingten Schließung der Museen in den vergangenen Woche wurde parallel zur Ausstellung eine Digital-Ausgabe erstellt, in der sich u.a. auch eine Führung der beiden Kuratoren durch die Ausstellung befindet:www.shmh.de/de/fide-struck

Details

Beginn:
22. Januar 2020
Ende:
23. November 2020
Veranstaltungskategorie:
Website:
https://shmh.de/de/fisch-gemuse-wertpapiere-fide-struck-fotografiert-hamburg-1930-33

Veranstaltungsort

Altonaer Museum
Museumstraße 23
Hamburg, Hamburg 22765 Deutschland
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Photographie