Horst P. Horst / George Hoyningen-Huene. In Style

DAS UNGLAUBLICHE PAAR 

Eine Schau der Extraklasse: Mit „Horst / Huene. In Style“ präsentiert das Fotomuseum WestLicht bis zum 7. August erstmals in Österreich eine umfassende Werkschau der beiden prägenden Modefotografen des 20. Jahrhunderts. „Mode ist Ausdruck einer bestimmten Zeit. Eleganz ist etwas ganz anderes“, brachte es Horst P. Horst einmal auf den Punkt und liefert die Vorlage für diese prächtige Präsentation.

Die zwei Männer, die sich 1930 zufällig in einem Pariser Straßencafé begegneten, hätten unterschiedlicher nicht sein können: George Hoyningen-Huene (1900 –1968), ein weltgewandter, mondäner russischer Aristokrat und als Cheffotograf der französischen Vogue fixer Bestandteil der Pariser Gesellschaft. Und Horst P. Horst (1906 –1999), mittelloser Sohn einer deutschen Kaufmannsfamilie, den ein Ausbildungsplatz im Architekturbüro von Le Corbusier gerade erst nach Paris gebracht hatte. Heute zählen die beiden, die kurz danach ein Paar wurden, zu den bedeutendsten Modefotografen des 20. Jahrhunderts.

Mit ihren Werken haben sie eine zeitlos gültige Definition von Eleganz geschaffen, die nicht nur das Genre, sondern darüber hinaus auch die Entwicklung der Fotografie nachhaltig geprägt hat. Das Wiener Fotomuseum WestLicht widmet diesen Wegbereitern der modernen Modefotografie nun erstmals in Österreich eine große Werkschau. Für „Horst / Huene. Style“ haben Peter Coeln und sein Kurator:innenteam 120 Fotografien aus mehreren Ländern Europas zusammengetragen und die Werke der beiden Fotografen in einen Dialog gestellt. Neben seltenen Vintage-Prints und großformatigen Farbabzügen bringt eine umfangreiche Auswahl historischer Vogue-Magazine zusätzliches 30er-Jahre-Flair in die Ausstellungsräume.

„Der Aufwand hat sich gelohnt“, sagt Museumsbetreiber Peter Coeln. „Mein Dank gilt den George Hoyningen-Huene Estate Archives in Stockholm, Filippo Passigli in Florenz und allen anderen Leihgebern, die dieses Highlight im diesjährigen Ausstellungsprogramm mitermöglicht haben.“

Neben Porträts von Marlene Dietrich, Jean Cocteau oder Josephine Baker und einer Serie von Genreszenen aus den Kitzbüheler Alpen legt die Ausstellung einen deutlichen Schwerpunkt auf die Modefotografie der 1930er-Jahre – und beleuchtet damit automatisch auch die Entwicklung der stilprägenden Fashionzeitschrift Vogue.

George Hoyningen-Huene, der anfangs als Modeillustrator tätig war, zählte zu den ersten, die vom legendären Verleger Condé Nast beauftragt wurden, Modestrecken mit der Kamera statt mit dem Zeichenstift zu gestalten. 1925 zum Cheffotografen der französischen Vogue berufen, revolutionierte er das noch junge Genre, arbeitete mit Künstlern wie Man Ray und Salvador Dalí zusammen, lieh sich Interieur von renommierten Innenarchitekten und baute damit eigene, aufwendige Kulissen.

Huene war auch unter den ersten, die Männer in der Modefotografie einsetzten. Dafür schien ihm niemand geeigneter als Horst, der mit seinen blonden Haaren, den markanten Gesichtszügen und seinem athletischen Körperbau genau seinem von der Antike geprägten Körperideal entsprach. In dieser Kollaboration entstanden bahnbrechende Bilder wie das weltbekannte Bademode-Sujet Divers, auf dem Horst neben Lee Miller, der damaligen Geliebten von Man Ray und später selbst erfolgreichen Fotografin, in einer Kulisse am Dach des Verlagsgebäudes posiert.

Bald lernte Horst bei Huene selbst zu fotografieren. Seine ausgeprägte Affinität für die formale Klarheit der klassischen Antike und sein Talent, mit Licht für Plastizität und den Eindruck von Dreidimensionalität zu sorgen, machten ihn seinem Lehrer rasch ebenbürtig. Als Huene 1935 den Condé Nast Verlag verließ, um für die Konkurrenz Harper’ s Bazaar zu arbeiten, folgte ihm Horst als Cheffotograf der französischen Vogue nach.

Vier Jahre später verließ auch Horst Paris Richtung New York. Das letzte Foto, das er vor Ausbruch des Krieges in Frankreich aufnahm, sollte sein berühmtestes werden: Für das Mainbocher-Korsett griff er einmal mehr auf Vorbilder aus der Malerei zurück und inszenierte sein Modell als Silhouette, die in ihrer abgewandten Präsenz gleichermaßen Sinnlichkeit wie Melancholie verkörpert. Auch wenn sich die Lebenswege von Horst und Huene in der Folge trennten, blieben sie einander innig verbunden.

Horst P. Horst fotografierte fast sechzig Jahre lang, schuf dabei mehr als 90 Vogue-Cover und erntete auch für seine einzigartigen Porträt- und Aktaufnahmen weltweit Anerkennung. Ende der 1970er-Jahre, lange nachdem die Modefotografie farbig geworden war, erlebte seine frühe Ästhetik eine Renaissance und machte Schwarzweiß-Arbeiten mit Chiaroscuro-Effekten und dramatischen Schlagschatten wieder en vogue.

Huene tauschte nach dem Krieg zunehmend die Foto- gegen eine Filmkamera, drehte Dokumentarfilme und war als Farbberater in Hollywood tätig. Nach seinem Tod im Jahr 1968 hinterließ er seinen gesamten fotografischen Nachlass seinem kongenialen Partner und Lebensmenschen Horst P. Horst.

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