Ikonische Stillleben in Stuttgart
Mercers Arbeiten interpretieren das klassische Stillleben neu. In kunstvoll arrangierten Tableaus kombiniert sie Krebse, Fischleiber, Wild oder Geflügel mit Blumen, Kerzen und antiken Objekten. Reich an Farbe, Detail und Textur, oft in mystisches Licht getaucht, entfalten ihre Fotografien eine starke sinnliche Präsenz. Sie verhandeln Lebensfreude und Vergänglichkeit zugleich – ohne moralisierende Symbolik, vielmehr als selbstbewusste, positive Statements auf das Leben.
„So überführt sie die bürgerliche Idee des Stilllebens ins 21. Jahrhundert. Eine solch spannungsvolle Intensität muss einer zeitgenössischen Künstlerin erst einmal gelingen“, schreibt Matthias Harder.

Während Mercers Stillleben lange vor allem in Farbe entstanden, zeigt die Ausstellung auch neuere monochrome Arbeiten. Mit der Leica M11 Monochrom entstehen Bilder von großer Tiefe und Präsenz, deren starke Kontraste und feine Tonabstufungen keine Farbe vermissen lassen. Unabhängig vom Medium bleibt Mercers Bildsprache unverwechselbar: barock in der Anmutung, zugleich zeitgenössisch und von großer formaler Klarheit.
Die Stillleben wurzeln in Mercers frühem fotografischem Interesse an Kulinarik und Alltagskultur. Bereits in den 1960er-Jahren fotografierte sie in den Pariser Markthallen Les Halles das Treiben der Händler und die Vielfalt von Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse. Diese unmittelbare Begegnung mit unverarbeiteten Lebensmitteln prägt ihr Werk bis heute. Das gemeinschaftliche Essen bildet dabei einen zentralen Bezugspunkt: Die arrangierten Speisen dienen nicht allein dem Bild – sie werden im Anschluss verzehrt.

Über die Künstlerin
Vera Mercer wurde 1936 in Berlin geboren und machte sich in den 1960er-Jahren in Paris einen Namen als Fotografin. Tief verwurzelt in der Avantgarde dokumentierte sie Werk und Leben bedeutender Künstlerpersönlichkeiten wie Jean Tinguely, Eva Aeppli, Marcel Duchamp, Niki de Saint Phalle und Daniel Spoerri. Ihre Porträts besitzen einen intimen, privaten Charakter und sind zugleich wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Seit 1970 lebt Mercer überwiegend in Omaha/Nebraska, wo sie gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Mark Mercer maßgeblich am Aufbau des Old Market District beteiligt war. Seit den frühen 2000er-Jahren widmet sie sich verstärkt dem Stillleben, für das sie international große Anerkennung erfährt. Heute lebt und arbeitet sie in Omaha und Paris.
Parallel zur Ausstellung in der Leica Galerie Stuttgart werden Stillleben von Vera Mercer in einer Einzelausstellung auf Schloss Dätzingen sowie mit einer großflächigen Präsentation auf der art Karlsruhe gezeigt, organisiert von der Galerie Schlichtenmaier (Stuttgart/Dätzingen).
Die Ausstellung „Vera Mercer | Still. Leben“ ist vom 7. Februar bis 18. April 2026 in der Leica Galerie Stuttgart, Königsstraße 28, 70173 Stuttgart, zu sehen. Die Galerie ist montags bis samstags von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung befindet sich im Untergeschoss. Die Fotografien der Ausstellung können käuflich erworben werden.

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