TIPA-Fotowettberwerb “camerAmore”

Die Gewinner stehen fest

Die Ergebnisse des Fotowettbewerbs „camerAmore“ der Technical Image Press Association (TIPA) liegen vor. Über die Websites und Publikationen der weltweiten TIPA-Mitglieds-Magazine (darunter auch die PHOTOGRAPHIE) hat die TIPA Fotografen dazu eingeladen, Bilder einzusenden, die ihre besondere Beziehung zur Fotografie widerspiegeln, wobei der Fokus auf ihrer Kamera, ihrer Ausrüstung und der Frage lag, wie die Fotografie eine besondere Verbindung sowohl zu ihrem inneren kreativen Antrieb als auch zu ihrer äußeren Verbindung mit der Welt herstellt. Bei der TIPA gingen Tausende von Bildern von begeisterten Fotografen aus aller Welt, die ihre kreative Interpretation des Aufrufs in drei Kategorien präsentierten: „Meine Kamera und ich“, „Kamera in Aktion“ und „Was ist in meiner Kameratasche?“.

“In diesem Jahr wurde der Gesamtsieger aufgrund seiner konzeptionellen Stärke sowie seiner technischen und kompositorischen Exzellenz gekürt, wodurch er neben den Kategoriesiegern den ersten Platz unter Gleichrangigen einnahm”, so die TIPA.

Die TIPA-Jury wählte aus jeder Kategorie zehn Bilder aus, aus denen die Kategoriesieger ermittelt wurden, während neun weitere Bilder eine lobende Erwähnung erhielten. Die eingereichten Bilder zeigten eine breite Palette an Techniken und Interpretationen, die bewiesen, dass Fotografen aus aller Welt eine gemeinsame Leidenschaft und Liebe zur Kunst und zum Handwerk der Fotografie teilen, während sie den kreativen Einsatz ihrer Foto- und Bildausrüstung demonstrierten.

Das Motto: „Fotografie, die universelle Sprache“ ist heute so wahr wie eh und je.

Gewinner des Hauptpreises (aus der Kategorie „Kamera in Aktion“): Julien Gidoin, Frankreich. Ohne Titel

Gewinner des Hauptpreises (aus der Kategorie „Kamera in Aktion“):

Julien Gidoin, Frankreich
Ohne Titel

Statement des Fotografen:
Dieses Foto von Jules Le Moal, aufgenommen auf Film, entstand während einer „Black Lives Matter“-Kundgebung in Paris, Frankreich (Anmerkung der Redaktion: Julien ist der Fotograf im Vordergrund rechts).
Julien Gidoins Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Dokumentarfilm und Fotografie. Durch seine langjährige Tätigkeit als Kameramann hat er ein besonderes Gespür für Zeit, Distanz und die Haltung des Betrachtens entwickelt. Für ihn ist Fotografie keine spektakuläre Geste, sondern ein Moment des Innehaltens, oft am Rande einer Dreharbeit, wenn die Kamera abgestellt wird. Seine Bilder entstehen aus Dauer und Wiederholung. Er fotografiert Situationen, die er kennt, Gesichter, denen er begegnet ist und denen er wieder begegnet, wobei er eine diskrete Präsenz und Beziehungen bevorzugt, die sich im Laufe der Zeit aufgebaut haben. Dieser Ansatz führt zu zurückhaltenden Bildern, meist in Schwarz-Weiß, bei denen der Bildausschnitt stabil bleibt und jede Form der Dramatisierung vermieden wird.

Im Mittelpunkt seines Schaffens stehen Fragen der Sichtbarkeit, der Verlassenheit und der kollektiven Verantwortung, insbesondere in Serien, die im öffentlichen Raum entstanden sind, an der Seite von Menschen, die auf der Straße oder am Rande gesellschaftlicher Strukturen leben. Ohne zu erklären oder retten zu wollen, versteht Julien Gidoin die Fotografie als Akt des Widerstands gegen die Gleichgültigkeit – als eine Möglichkeit, angesichts dessen, was fortbesteht, präsent zu bleiben, auch wenn sich soziale und öffentliche Strukturen auflösen. Die Fotografie wird so zu einem Werkzeug, um eine stille, tiefe Wut angesichts sozialer Ungleichheiten in eine konkrete Geste zu verwandeln: zu gehen, zu begegnen, zu schauen und denen Zeit zu schenken, die nicht mehr gesehen werden.

Kategorie “Meine Kamera und ich”–  Gewinner der Kategorie: Gilbert Murray, England. Ein einfaches Selfie, aufgenommen im Spiegel.

Kategoriesieger “Meine Kamera und ich”:

Gilbert Murray, England
Ein einfaches Selfie, aufgenommen im Spiegel.

Statement des Fotografen: Zu meinem 11. Geburtstag schenkte mir mein Vater eine deutsche Messsucherkamera. Das war der Beginn meiner Liebe zu Kameras und zur Fotografie. In der Schule und in meiner örtlichen Bibliothek lernte ich so viel wie möglich über Fotografie.

Das London der 1960er Jahre war eine harte Zeit für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Aufgrund der Sparmaßnahmen gab es kein Geld für Filme und die Entwicklung. Das London der 70er Jahre war viel spannender, und da ich Vollzeit arbeitete, hatte ich Geld für die Fotografie und auch zum ersten Mal die Möglichkeit, meine Mutter zu besuchen, die nach Jamaika zurückgekehrt war. Das ländliche Jamaika der 70er Jahre war ein echter Augenöffner. Die Landschaften waren heiß und farbenfroh und voller Menschen, die so aussahen wie ich. Wenn ich bei Tagesanbruch das Haus meiner Mutter verließ, um Fotos zu machen, waren die einzigen Menschen, denen ich unterwegs begegnete, kleine Kinder, die Wasser holen mussten, und ältere Jamaikaner auf dem Weg zum Markt, um ihre selbst angebauten Erzeugnisse zu verkaufen. Wenn ich einen Preis gewinnen würde, würde ich gerne noch einmal dorthin reisen und die Veränderungen im ländlichen Jamaika dokumentieren, verglichen mit dem Jamaika, das ich vor 50 Jahren kannte.

Als Fotograf habe ich immer eine Kamera dabei. Ich hatte das Glück, Ereignisse zu dokumentieren, die es auf zwei Titelseiten der nationalen Presse geschafft haben, ich wurde zweimal der verstorbenen Prinzessin Diana vorgestellt und habe verschiedene Wettbewerbe gewonnen. Es ist etwas Wunderbares, eine Geschichte in einem einzigen Bild zu erzählen.

Kategorie “Kamera in Aktion” –   Gewinner der Kategorie: Claudio Vignola, Italien. Im Mondlicht

Kategoriesieger “Kamera in Aktion”:

Claudio Vignola, Italien
Im Mondlicht

Statement des Fotografen: Ich war ohne Auftrag und ohne Presseausweis dort. Nur mit einer Kamera und einer Frage, die mich seit Jahren beschäftigte: Was passiert, bevor die Göttin über den Laufsteg schreitet?
Hinter den Kulissen herrschte organisiertes Chaos: Neonlichter, Hände, die Haare zurechtzupften, Kameras, die aufnahmen, Blitzlichter, die zuckten. Alles drehte sich um sie: zwanzig Jahre alt, wahrscheinlich frisch aus der Wohnung ihrer Mutter irgendwo in Osteuropa, ihr Gesicht noch auf halbem Weg seiner Verwandlung. Und doch schon unantastbar. Schon eine andere.
In diesem Moment wurde mir klar, dass ich keine Modenschau dokumentierte. Ich war Zeuge einer Metamorphose. Jenem präzisen, unmerklichen Augenblick, in dem ein Mädchen aufhört, sie selbst zu sein, und zu der Vorstellung wird, die andere von ihr haben.
Die Bildschirme um sie herum zeigten ihr Gesicht, vervielfacht, fragmentiert, in Echtzeit gestohlen. Aber sie war woanders. Eingeschlossen in dieser konzentrierten Stille, die nur diejenigen wirklich kennen, die kurz davor stehen, eine Bühne zu betreten – diesen schwebenden Raum zwischen dem, was man ist, und dem, was man werden muss.
Ich drückte auf den Auslöser. Nicht, um sie einzufangen, sondern um diesen Schwellenmoment stillzuhalten. Den Augenblick, in dem die Seele, die Seele des Models, noch sichtbar ist, bevor der Laufsteg sie ganz verschlingt.

Kategorie “Was ist in meiner Kameratasche?” –  Gewinnerin der Kategorie: Binta M’Baye, Polen. Meine Ausrüstung, mein Spiegelbild

Kategoriesieger “Was ist in meiner Kamera-Tasche”:

Binta M’Baye, Polen
Meine Ausrüstung, mein Spiegelbild

Statement der Fotografin: Ein Gesicht, geformt aus den Kameras und Objektiven, die ich bei mir trage, auf dem mir so vertrauten Holzboden. Diese Anordnung ist ein stilles Selbstporträt – jedes Ausrüstungsteil ist ein Teil dessen, wie ich sehe, wie ich arbeite und wer ich bin, wenn ich kreativ bin. Es ist intim und persönlich: Diese Objekte sind nicht nur Werkzeuge, sie sind Erweiterungen meiner selbst, prägen jedes Bild, das ich mache, und spiegeln wider, wie ich mich mit der Kamera in der Hand durch die Welt bewege.

Alle weiteren Sieger und Infos unter: https://www.tipa.com/cameramore-2026/