Serie Adobe Lightroom, Teil 2

 

Importieren und Bildverwaltung

Der klassische Workflow in der Bildbearbeitung sieht bekanntlich so aus: Man öffnet eine Bilddatei, bearbeitet sie und speichert schließlich das Resultat. So könnte man auch bei der Raw-Konvertierung vorgehen, also einzelne Raw-Dateien öffnen, die Entwicklungseinstellungen wählen und ein entwickeltes Bild exportieren. Lightroom Classic dagegen erfordert, neue Fotos erst einmal in einen von der Anwendung verwalteten Katalog zu importieren, bevor man mit der Entwicklung beginnen kann. Allerdings gilt das so strikt nur für die Classic-Variante, während das neuere Lightroom Desktop auch die Option bie-tet, den Import-Schritt zu überspringen – dazu später mehr.

Import in Lightroom Classic

Der typische Lightroom-Workflow beginnt mit der Auswahl von Bildern für den Import, mit dem Menübefehl „Datei > Fotos und Videos impor-tieren“ in Lightroom beziehungsweise „Datei Fotos hinzufügen“ in Lightroom Desktop: in der Browser-Version und der Lightroom-App für Mobilgeräte gibt es eine ebenso benannte Schaltfläche. Der Import umfasst vielerlei Funktionen, was auch erklärt, weshalb er einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Zunächst einmal wer-den die Bilddateien und ihre Aufnahmedaten in eine Datenbank, den Katalog aufgenommen. Zusätzlich können die Dateien dabei von einer Speicherkarte auf die Festplatte des Computers oder in die Cloud kopiert werden, unter ihrem Namen oder einem neuen Namen, aber man kann sie auch an ihrem aktuellen Speicherort belassen. Das Anlegen einer zweiten Kopie auf einem weiteren Medium ist ebenfalls möglich.

Beim Import kann Lightroom Classic die Bilder bewegen, kopieren, in das DNG-Format konvertieren oder an Ort und Stelle belassen (oben). Weitere Optionen findet man in der Leiste rechts.

Wenn man die Raw-Dateien kopieren will, kann sie Lightroom dabei in Adobes DNG-Format umwandeln und dieses statt des Originals speichern. Optional können Vorschaubilder in voller oder reduzierter Auflösung erzeugt werden. Damit man bei der Entwicklung der Aufnahmen später nicht bei Null beginnen muss, lassen sich die gewünschten Voreinstellungen auswählen. Wenn Metadaten zur Urheberschaft nicht schon in der Kamera gepeichert wurden, kann der Fotograf seinen Namen und einen Copyright-Vermerk beim Import automatisch hinzufügen.
Das Schema, das sich hier abzeichnet, ist klar: Vieles kann, aber kaum etwas muss zwingend beim Import passieren.

Das Pflichtprogramm sieht einzig vor, die Metadaten der Bilder in den Katalog einzutragen, damit Sie Ihre Fotos später auf Basis des Katalogs verwalten können. Lightroom Classic zwingt Ihnen also nicht auf, wie Sie Ihre Bilder auf der Festplatte organisieren sollen. Vielleicht möchten Sie ja die Aufnahmen verschiedener Kameras in einem Ordner sammeln, oder für Raw- und JPEG-Dateien jeweils eigene Unterordner anlegen.

Falls Sie dazu also Ihre eigenen Vorstellungen zur Datenablage haben, kopieren Sie die Aufnahmen zunächst von einer Speicherkarte oder der angeschlossenen Kamera an den bevorzugten Ort auf der Fest-platte und wählen sie erst dann für den Import aus. Von den vier Importvarianten entscheiden Sie sich für „Hinzufügen“, was bedeutet, dass die Dateien an ihrem Ort belassen und dem Katalog nur Metadaten sowie Vorschaubilder hinzugefügt werden.
Wollen Sie dagegen Lightroom das Handling der Dateien überlassen, wählen Sie statt „Hinzufügen“ die Varianten „Kopie“ oder „Verschieben“ – den Speicherort bestimmen Sie unter „Ziel“ im-mer noch selbst, aber innerhalb dieses Ordners hat die Software freie Hand. Dann werden die Dateien auf die Festplatte kopiert beziehungsweise dorthin verschoben, also nach dem Kopieren am ursprünglichen Speicherort gelöscht. Beim Kopieren oder Verschieben kann Lightroom die Dateien auch nach einem frei gewählten Schema umbenennen und beispielsweise einen Dateinamen aus Datum und Uhrzeit der Aufnahme zusammensetzen.

Im Interesse einer größeren Datensicherheit lässt sich schon beim Import ein Backup anlegen; dazu bestimmen Sie einen Ordner als zweites Kopierziel.
Falls die Quelle der Dateien eine Speicherkarte oder eine per USB angeschlossene Kamera ist, sind weder „Verschieben“ hoch „Hinzufügen“ verfügbar, denn die Originale rührt Lightroom sicherheitshalber nicht an. Nachdem die Datei-en auf die Festplatte kopiert sind und Sie deren Integrität überprüft haben, müssen Sie die Karte daher selbst löschen oder formatieren.

DNG oder Original?

Eine vierte Importvariante wandelt zu importierende Raw-Dateien zunächst aus dem proprietären Dateiformat des Kameraherstellers in Adobes universelles DNG-Format um (siehe Kasten „DNG“). Dieses Format bietet so viele Optionen und Varianten, dass sich alle anderen Formate darin ohne Verlust übertragen lassen; wenn die Hersteller einmal Neuerungen einführen, die die DNG-Spezifikation (aktuell 1.7.1) noch nicht abdeckt, werden diese von der nächsten Version unterstützt. Die DNG-Umwandlung steht daher im Ruf, die Rohdaten zukunftssicherer zu machen, da sie dann in einem universellen, offen dokumentierten Format vorliegen, aber tatsächlich liegen die Dinge nicht so einfach.

Auch die proprietären Formate bergen keine echten Geheimnisse und werden selbst von kleinen Entwicklerteams schnell entschlüsselt. Damit ein Raw-Konverter die Raw-Dateien eines neuen Kameramodells entwickeln kann, ist meist lediglich ein Profil nötig, mit dem die Eigenschaften der Kamera – insbesondere die Farb- und Tonwertwiedergabe ihres Sensors – neutralisiert werden. Für die Frage, ob die eigenen Aufnahmen in 10, 20 oder 50 Jahren noch entwickelt werden können, kommt es nicht so sehr auf das Dateiformat an, sondern auf die Unterstützung der Kamera – ob also die in der Zukunft genutzten Raw-Konverter noch die alten Kameramodelle unterstützen.

Wenn das jedoch der Fall ist, werden auch die proprietären Dateiformate kein Hindernis sein. Auf der anderen Seite ist DNG so komplex, dass allenfalls Adobes Anwendungen es in allen Kombinationen seiner Features vollumfänglich interpretieren; wenn andere Hersteller mit DNG-Unterstützung werben, ist das nicht garantiert.
Allerdings gibt es ein Argument, das in bestimmten Fällen für eine DNG-Umwandlung spricht: Die Rohdaten werden dabei verlustfrei komprimiert, was den Speicherbedarf, abhängig vom Bildinhalt, bis auf etwa die Hälfte reduzieren kann. Falls die Kamera nicht bereits ein verlustfrei komprimiertes Raw-Format unterstützt, ist das DNG-Format eine platzsparende Alternative.

Metadaten hinzufügen

Beim Import liest Lightroom in den Dateien enthaltene Metadaten nach dem Exif- und IPTC-Standard aus und überträgt sie in den Katalog. Diese Gelegenheit lässt sich aber auch nutzen, um eigene Metadaten hinzuzufügen. Zweckmäßigerweise legen Sie hierzu einen Datensatz mit IPTC-Daten an, der Ihren Namen, einen Copyright-Hinweis sowie Kontaktinformationen enthält, damit Interessenten an Ihren Bildern die Chance bekommen, eine Lizenz zu erwerben. Einige dieser Daten können zwar schon in der Kamera hinzugefügt werden, aber Lightroom ist nicht auf den ASCII-Code beschränkt und erlaubt beispielsweise auch die Verwendung von Umlauten.

Falls Sie bestimmte bevorzugte Entwicklungseinstellungen haben, die Sie ohnehin auf alle Bilder anwenden, können Sie ebenfalls beim Import vormerken. Wählen Sie einen der mitgelieferten oder einen eigenen Preset aus, oder entscheiden Sie sich für „Kameraeinstellungen“, damit Lightroom – so weit möglich – die für JPEGs in der Kamera gewählten Optionen übernimmt. Ansonsten bliebe nur der Weißabgleich erhalten. Bei dieser Gelegenheit hinzugefügte Metadaten schreibt Lightroom aber nicht in die Raw-Datei, die unangetastet bleibt; sie werden nur in den Katalog eingetragen, optional zusätzlich in Sidecar-Dateien (siehe unten). Das gilt ebenso für alle weiteren Einstellungen, die Sie bei der anschließenden Entwicklung vornehmen.

Wozu der Katalog nützt

Nach dem Import verfügen Sie mit dem Katalog über ein mächtiges Instrument zur Verwaltung Ihrer Bilder, das um so nützlicher wird, je weiter die Zahl der Fotos wächst. Im Bibliotheksmodul von Lightroom können Sie die Bilder nicht nur visuell sichten, sondern auch gezielt suchen – nach Schlagwörtern, der Bewertung oder den Aufnahmedaten wie der verwendeten Kamera, der Brennweite, der Blende, dem ISO-Wert oder dem Datum. Ein wichtiges Mittel zur Organisation der Bilder über die Ordnerstruktur auf der Festplatte hinaus sind die Sammlungen.

Zu den Import-Optionen in Lightroom Classic gehört die automatische Umbenennung der Dateien (links) und das Einfügen von Metadaten wie Name des Fotografen und Kontaktdaten (rechts).

Für einen Auftrag oder ein Projekt wie ein Fotobuch oder einen Kalender legen Sie eine Sammlung an, der Sie alle zu verwendenden Fotos hinzufügen. So brauchen Sie keine Dateien in einen Ordner zu kopieren und sparen Speicherplatz. Besonders bequem sind Smart-Sammlungen, die einer Suchanfrage in der Bibliothek ähneln und stets alle Bilder enthalten, die aktuell die Suchkriterien erfüllen. Wenn also ein gerade importiertes Bild die Bedingungen einer Smart-Sammlung erfüllt, finden Sie es nach dem Import sofort in dieser Sammlung wieder.

Die Verwaltung von Bildern und deren Entwicklungseinstellungen im Katalog macht sich bezahlt, wenn man kreative Varianten ausprobieren will. In Lightroom Classic – in Lightroom Desktop und den mobilen Varianten ist das noch nicht möglich – können Sie virtuelle Kopien eines Bildes anlegen und diese Kopien dann individuell entwickeln – beispielsweise eine Farbversion und eine Schwarzweißumsetzung, oder zusätzlich eine extremere Bearbeitung im Stil von Instagram-Filtern. Im Katalog müssen für jede virtuelle Kopie lediglich ein neuer Satz von Entwicklungseinstellungen und ein Vorschaubild gespeichert werden, während die Rohdaten weiterhin nur einmal auf der Festplatte liegen.

Sidecar-Dateien

Entwicklungseinstellungen und generell alle Metadaten, die nicht schon in der Raw-Datei enthalten sind, werden nicht nur im Katalog, sondern zusätzlich in Sidecar-Dateien gespeichert, wenn Sie in den Katalog-Voreinstellungen diese Option wählen. Diese „Beiwagen“ sind Textdateien, die Lightroom im selben Ordner wie die Raw-Dateien anlegt und die denselben Namen wie die zugehörige Raw-Datei tragen; nur die Dateiendung „xmp“ kennzeichnet sie. Das DNG-Format nimmt hier eine Sonderstellung unter den Raw-Formaten ein, denn Lightroom speichert die zusätzlichen Metadaten in der DNG-Datei selbst statt in einer separaten Sidecar-Datei.

In der Katalog-Datenbank findet man schnell beispielsweise alle Aufnahmen mit einer bestimmten Kamera-Objektiv-Kombination.

Die redundante Speicherung im Katalog und in einer Sidecar- oder DNG-Datei bietet einmal mehr Sicherheit: Falls der Katalog beschädigt werden sollte, können diese Dateien als Backup dienen. Praktisch sind sie aber vor allem, wenn man Raw-Dateien auf einen anderen Computer kopieren will, um sie dort weiter zu bearbeiten. Schließt man dabei die Sidecar-Dateien ein – bei DNG-Dateien muss man nichts weiter tun –, kann man die Raw-Dateien auf dem Zielrechner in Lightroom importieren und dort nahtlos weiterarbeiten, weil auch die Entwicklungsdaten und andere Metadaten wie eine Verschlagwortung und Bewertung automatisch übernommen wurden. Leider hat es Adobe bislang nicht geschafft, auch Varianten der Entwicklungseinstellungen in Side-car-Dateien zu speichern, weshalb virtuelle Kopien nur im Katalog existieren und nicht über diese Dateien transportiert werden können. Technisch wäre das kein Problem.

Lightroom Desktop

Adobes neuere Variante Lightroom Desktop (früher Lightroom CC genannt) unterstützt mittlerweile fast alle Entwicklungsfunktionen von Lightroom Classic, aber der Workflow und insbesondere der Import folgen einem anderen Konzept. Lightroom Desktop arbeitet vornehmlich mit Bildern in der Cloud, was bedeutet, dass sie beim Import zunächst auf Adobes Server hochgeladen werden, wozu natürlich eine Internetverbindung nötig ist. Weitere Optionen wie die DNG-Konvertierung oder das Hinzufügen von Copyright-Metadaten und Entwicklungseinstellungen vermisst man hier; Sie wählen lediglich die zu importierenden Bilder aus, woraufhin deren Upload in die Cloud startet. Immerhin können Sie ein Album auswählen, in das die importierten Bilder einsortiert werden sollen.
Damit nicht jeder Zugriff auf ein Bild über eine möglicherweise langsame Internetverbindung er-folgen muss, verwaltet Lightroom Desktop einen Cache-Speicher auf der Festplatte, in den die gerade bearbeiteten Dateien kopiert werden.

In Lightroom Desk-top gibt es eine Alternative zum Import: Im Modus „Lokal“ kann man einzelne Bilder direkt auswählen und entwickeln. Die Entwick-lungseinstellungen werden dann nur in Sidecar-Dateien gespeichert.

Beim Import dient der Cache als Puffer, in dem die Dateien liegen, bis sie zum Server hochgeladen sind. Daneben bietet Lightroom Desktop aber noch eine exklusive Option, die es in der Classic-Variante nicht gibt. In der Seitenleiste links können Sie vom Modus „Cloud“ auf „Lokal“ umschalten, woraufhin ein Dateibrowser eingeblendet wird. Damit haben Sie Zugriff auf Ihre lokal angeschlossenen Laufwerke, um dort gespeicherte Bilder zu laden. Sie brauchen die Bilder also nicht zu importieren und insbesondere auch nicht in die Cloud zu laden, um sie zu entwickeln und das Ergebnis zu exportieren.

Die gewählten Einstellungen speichert Lightroom Desktop ebenfalls auf dem lokalen Laufwerk in einer Sidecar-Datei statt in einem Katalog. Falls Sie eine so bearbeitete Raw-Datei später umbenennen, müssen Sie danach auch der Sidecar-Datei denselben Namen geben, wenn die Einstellungen später als Grundlage ei-ner weiteren Entwicklung wiedergefunden wer-den sollen. Eine Übertragung in die Cloud bleibt jederzeit möglich.  Text & Bilder: Michael J. Hussmann