Ehrung für die besten Naturfotografen
Mit Javier Aznar hat erneut ein spanischer Fotograf den Fritz Pölking Preis gewonnen. Seine fotografische Story „Liebe, Hass und Klapperschlangen“ setzt sich mit der kulturellen und ökologischen Bedeutung von Klapperschlangen einerseits und ihrer traditionellen Bejagung andererseits auseinander und überzeugte die internationale Jury. Der Fritz Pölking Jugendpreis geht in diesem Jahr an Tobias Gjerde aus Norwegen. Mit seinem Portfolio „Norwegischer Winter“ widmet er sich den Tieren, die auf bewundernswerte Weise und mit enormer Widerstandsfähigkeit den Extremen des Winters trotzen.
Der Preis
Der internationale Fritz Pölking Preis ist ein Sonderpreis des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres und wird seit achtzehn Jahren zu Ehren des 2007 verstorbenen Fritz Pölking von der Gesellschaft für Naturfotografie (GDT) gemeinsam mit dem Tecklenborg-Verlag ausgeschrieben. Er wird jährlich für ein herausragendes fotografisches Werk vergeben. Dies kann sowohl ein naturfotografisches Projekt als auch ein Portfolio sein.
Die internationale Jury
Mitglieder der Jury waren Rosamund Kidman-Cox (langjährige Redakteurin des BBC Wildlife Magazine und Projektmanagerin für BBC Books u.v.m.), Serena Dzenis (vielfach preisgekrönte, australische Künstlerin mit Wohnsitz in Island, die für ihre fesselnden Bilder bekannt ist, in denen natürliche Landschaften mit menschlicher Architektur verschmelzen), Aaron Gekoski (international bekannter Fotojournalist und Filmemacher, der sich auf Konflikte zwischen Mensch und Tier spezialisiert hat und 2024 von Fürst Albert II. von Monaco zum Umweltfotografen des Jahres gekürt wurde), Agorastos Papatsanis (preisgekrönter Naturfotograf aus Nordgriechenland und Spezialist für Pilze, die er märchenhaft in Szene setzt), Bruno D’Amicis (ebenfalls mit zahlreichen, internationalen Auszeichnungen und Veröffentlichungen, u.a. Bücher und Dokumentarfilme) sowie Patrick Brakowsky (Magazin Naturfoto).
FRITZ PÖLKING PREIS 2025
Klapperschlangen wurden als Symbole der Erneuerung verehrt und als Abgesandte der Unterwelt geschmäht. Gejagt und in die dunklen Ecken unserer Vorstellungskraft getrieben, rufen sie eine Mischung aus Faszination und Schrecken hervor. Javier Aznar aus Spanien hat sich mit der komplexen Beziehung des Menschen zu Klapperschlangen, insbesondere im amerikanischen Westen, fotografisch auseinandergesetzt und wurde dafür mit dem Fritz Pölking Preis 2025 geehrt. Seit Jahrtausenden faszinieren und verunsichern Klapperschlangen den Menschen: verehrt als Boten der Götter, gefürchtet als Abgesandte der Unterwelt, gefeiert als Symbol amerikanischer Freiheit. Doch trotz ihrer kulturellen und ökologischen Bedeutung werden die ikonischen Bewohner des Westens bis heute brutal verfolgt – von Kopfgeldaktionen vergangener Jahrhunderte bis zu Schlangenjagden wie dem „Sweetwater Rattlesnake Roundup“.

Während einige Gemeinden noch immer auf blutige Spektakel setzen, gehen andere neue Wege: Sie rücken die Rolle der Schlangen im Ökosystem in den Mittelpunkt und setzen auf Aufklärung statt Tötung. Denn Klapperschlangen kontrollieren nicht nur Nagetierpopulationen, ihr Gift dient auch der Medizin. Die Reportage beleuchtet die widersprüchliche Beziehung zwischen Mensch und Schlange – und ruft zu einem längst überfälligen Perspektivwechsel auf: Nur wenn Angst und Vorurteile überwunden werden, haben Klapperschlangen eine Zukunft in der amerikanischen Landschaft. Preisträger Javier Aznar aus Spanien konzentriert sich in seinen Arbeiten auf naturkundliche Storys und den Schutz von Wildtieren und ihre Beziehung zum Menschen.
Er ist davon überzeugt, dass die Kraft der Fotografie dazu beitragen kann, den Planeten und die Tiere und Pflanzen, die auf ihm leben, zu erhalten. Javier hofft, mit seinen Bildern die Öffentlichkeit auf die dringende Notwendigkeit des Schutzes von Wildtieren aufmerksam zu machen. Javier Aznar ist Associate Fellow der iLCP und Mitglied von The Photo Society. Er ist außerdem Fotograf für National Geographic und seine Arbeiten wurden in internationalen Zeitschriften wie GEO, Smithsonian Magazine, Ranger Rick und BBC Wildlife veröffentlicht.

Jury-Mitglied Patrick Brakowsky: „So entlegen die Landschaft, so selten die Art oder so einzigartig das Naturphänomen auch sein mag: Nichts, was in der Natur fotografiert wird, lässt sich jemals wirklich von der Welt des Menschen trennen. Denn stets ist es der menschliche Blick mit all seinen Erfahrungen und Empfindungen, der die Motive formt. Bilder von Wildnis sind letztlich eine Interpretation von ihr und können das wahre Erlebnis vor Ort nur eingeschränkt wiedergeben. Dass beide Welten, die natürliche und die menschliche, zusehends schwerer voneinander zu trennen sind, haben Naturfotografinnen und -fotografen in den vergangenen Jahrzehnten immer deutlicher und eindringlicher in ihre Arbeit einfließen lassen, auf kreativer wie auch auf narrativer Ebene.
Und es ist die letztgenannte, erzählerische Form der Naturfotografie, die dafür gesorgt hat, dass wir mittlerweile ganz anders auf die Abbildung von Naturmotiven blicken als noch vor einigen Jahren. Vielleicht lässt sich heute behaupten, dass der Blick eines Kindes in einen Raum voller Klapperschlangen mehr über die Natur aussagt als ein spektakuläres Löwenporträt vor wilder Naturkulisse. Im Blick des Kindes spiegeln sich Faszination und Schrecken gleichermaßen wider und wir erkennen: Natur und Mensch sind kaum voneinander zu trennen, denn wir sind es, die den größten Einfluss auf sie haben. () „Liebe, Hass und Klapperschlangen“ konfrontiert uns unmittelbar mit unserem Umgang mit anderen Lebewesen, setzt aber dabei nicht allein auf den Schockmoment, sondern veranschaulicht die Komplexität des Themas auf vielfältige Weise. () Dem Fotografen ist das Kunststück gelungen, Bilder zu erstellen, die einen Sachverhalt sowohl erzählerisch als auch ästhetisch auf hohem Niveau auf den Punkt bringen.“
FRITZ PÖLKING JUGENDPREIS 2025
Tobias Gjerde überzeugte die Jury mit einem Portfolio über Tiere, die auf bewundernswerte Weise und mit enormer Widerstandsfähigkeit den Extremen des norwegischen Winters trotzen. Tobias Gjerde: „Wenn der Schnee den Boden bedeckt, zeigt sich nur eine leere, minimalistische Landschaft, weiß wie eine Leinwand – ein Paradies für Fotografen, ein Albtraum für die Tiere. Wenn die Temperaturen sinken und der Wind auffrischt, haben wir Menschen in der Regel eine Wahl: draußen in der eisigen Kälte zu bleiben oder Schutz in einem warmen Haus, einer Hütte oder einem Zelt zu suchen. Die Tiere haben diese Möglichkeit nicht. Sie müssen die unerbittliche Witterung ertragen, die Mutter Natur ihnen beschert hat.“

Der 22-jährige Norweger Tobias Gjerde verbindet seine Leidenschaft für Wildtierfotografie mit dem Wunsch, die Schönheit und Schutzwürdigkeit der nordischen Natur sichtbar zu machen. Ob als Militärfotograf im Arctic Ranger Battalion oder heute als Mitglied von Norske Naturfotografer, Tobias sucht stets neue kreative Wege, um Tiere und Landschaften ins Bild zu setzen. Mit Mini-Dokus und Making-of-Videos auf YouTube und Instagram bringt er seit 2025 die Faszination der Wildnis einem internationalen Publikum näher. „Die Jury zeigte sich beeindruckt, wie es diesem jungen Fotografen gelungen ist, ein breites Artenspektrum mit einer so klaren inhaltlichen und ästhetischen Ausrichtung zu fotografieren.
Tobias´ fotografischer Umgang mit Schnee und Wind, den schwachen Farben des nordischen Winters, sein Einfühlungsvermögen in jede einzelne Tierart bewegen sich auf hohem Niveau. Dabei braucht es keine außergewöhnlichen Verhaltensweisen oder actionreichen Momente, um diese Geschichte über das Verlorensein in einer ungebändigten Natur zu erzählen“ erläutert Jury-Mitglied Patrick Brakowsky.
PREISVERLEIHUNG
Die Ehrung der beiden Sieger erfolgt im Rahmen der feierlichen Preisverleihung des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres 2025 auf dem Internationalen Naturfotofestival der GDT am Freitag, dem 24. Oktober 2025, um 18 Uhr in Lünen an der Lippe. Der Eintritt zur Preisverleihung und zur anschließenden Ausstellungseröffnung ist frei.
Einfach Formular ausfüllen und mitmachen.