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Tipps für bessere Bilder mit optischen Filtern
Polfilter... erregen Aufmerksamkeit Der verspiegelte Bugatti Veyron 16.4 steht in der Autostadt Wolfsburg in einem voll verspiegelten Raum. Die Reflexionen wurden mithilfe des Polfilters deutlich "herausgedreht", die Aufnahme entstand freihand bei ISO 1.600, f/3,2 und 1/50 s. Wir danken der Autostadt Wolfsburg für die freundliche Unterstützung. Foto: Sebastian Drolshagen
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Tipps für bessere Bilder mit optischen Filtern

Digitalkameras hinter Glas


Optische Filter machen sich in Zeiten kamerainterner digitaler Bildverbesserer rar. Sind hochwertige Gläser vor dem Objektiv wirklich überflüssig geworden, oder sind sie doch eine nützliche Ergänzung?

Moderne Digitalkameras halten für die häufigsten Problemfälle eine passende Lösung parat: Farbstiche, hohe Kontrastunterschiede oder Dunst etwa werden elektronisch beseitigt, dabei erkennt die Kamera-Automatik eine Szenerie - sogar ohne das Zutun des Fotografen - und ergreift nötige Massnahmen. Wenn das nichts bringt, wird nach der Aufnahme "gephotoshopt", bis der Arzt kommt. Im RAW-Format ist mithilfe der Gradationskurve und Dutzenden von spezialisierten Reglern im Nachhinein fast alles möglich. Mit dem Weichzeichner, dem Stempel-Werkzeug, dem Reparaturpinsel und Co. gelingen selbst grösste Operationen am Motiv, sodass dieses kaum wiederzuerkennen ist. Dass bei all der elektronischen Aufbereitung der Einsatz optischer Filter sinnvoll sein kann, zeigen unsere Beispiele.

Satte Kontraste: Das blaue Himmelslicht wird von allen Gegenständen im Bild reflektiert und polarisiert wiedergegeben. Gerade auf grossen Distanzen und wenn die Sonne hoch am Himmel steht, legt sich häufig ein blasser, bläulicher Schleier über das Bild (rechts). Wer das Polfilter in die richtige Drehung bringt, schliesst das polarisierte Licht aus und erhöht damit die Lebendigkeit im Bild (links). (Links mit rechts ohne Polfilter)
Hier kommen nützliche optische Filter zum Einsatz. Dabei ist grundsätzlich zwischen Effekt- und Korrekturfiltern unterschieden. Das weite Feld der Effekte überlassen wir den Kunstfiltern der Kamerahersteller und der elektronischen Bildbearbeitung. Unsere Aufmerksamkeit gilt den Korrekturfiltern. Selbst wenn die Elektronik auch hier sehr weit ist: Licht, dass schon korrigiert auf den Sensor trifft, liefert im Zweifel bessere Ergebnisse, als in der aufwendigen nachträglichen Bearbeitung. Klassische Korrekturfilter sind das Pol(arisations)- und Grau- (ND-)filter sowie UV- und Skylightfilter.

UV- und Skylightfilter

Sogenannte Schönwetterfilter wie UV und Skylight erfüllen primär eine Schutzfunktion für die empfindliche Frontlinse und verringern den bläulichen Dunst, wie er auf grösseren Distanzen und bei hoch stehender Sonne auftreten kann. Fotografen, die sich für eine solche Schutzfunktion entscheiden, haben das Filter permanent vor dem Objektiv. Daher sollten sie am Filter nie sparen - selbst das beste Objektiv hilft dem Fotografen nämlich nicht, wenn davor ein "Flaschenboden" montiert wird. Hochwertige Vergütungen helfen, Reflexionen und damit verbundene Geisterbilder zu vermeiden und wehren anhaftende Verschmutzungen besser ab als einfach oder gar unvergütete Gläser. Hochwertige Filter grossen Durchmessers haben ihren Preis, daher lohnt sich bei Top-Objektiven die Abwägung, ob der Austausch einer verkratzten Frontlinse wirklich teurer ist als ein entsprechendes Filter. Einfacher und schneller ist der Filterwechsel natürlich allemal.

Intensivere Farben Vagabundierendes, polarisiertes Licht überlagert die farbreine Reflexion. Das Polfilter kann dieses Streulicht ausschliessen oder reduzieren und so den Farbkontrast erhöhen. Auch störende Spiegelungen werden deutlich reduziert. Den besten Effekt erzielen Sie in einem Kamerawinkel von etwa 30 Grad zum spiegelnden Objekt. (Links mit rechts ohne Polfilter)
Polarisationsfilter

Klare, kontrastreiche Farben und reflexionsfreie Oberflächen sind häufig das Ergebnis eines Polfilters vor dem Objektiv. Das Filter besteht aus einer drehbaren, polarisierten Scheibe, die unerwünschtes Streulicht reduziert. Werden störende Überlagerungen ausgeblendet, steigt der Farbkontrast im Bild, da die Reinheit der eigentlichen Reflexion von Gegenständen zunimmt. Je nach Anwendung, also je nach Drehstellung, können Reflexionen von nicht leitenden Oberflächen deutlich reduziert oder aber ebenso sichtbar verstärkt werden.

ND-Filter verlängern die Belichtungszeit

Geister in der Innenstadt An einem belebten Fussgängerüberweg stellen wir unsere Kamera ebenfalls auf das Stativ. Die Passanten lassen sich kaum davon beeindrucken und steuern geradewegs auf uns zu. Sie bewegen sich deutlich langsamer als die Fahrzeuge oben, daher verschwinden sie trotz des 1.000x-ND-Filters nicht komplett aus dem Bild, sondern bleiben schemenhaft zu erkennen. ISO 200, f/8, 8 s.

Fotos: Tobias F. Habura
Spiegelreflexfotografen, die eine Kamera mit Strahlenteiler zur Lichtmessung und Fokussierung nutzen, greifen zu sogenannten zirkularen Polfiltern, um die einwandfreie Funktion der Belichtungsmessung wie des Autofokus zu gewährleisten. Kommt eine spiegellose System- oder eine Kompaktkamera zum Einsatz, in der der bildgebende Sensor auch das Fokussieren und die Belichtung übernimmt, reichen günstigere, lineare Polfilter. In ihrer Wirkung und Qualität unterscheiden sich beide Typen nicht voneinander.

Vario-ND-Filter erobern den Markt

Immer mehr Hersteller bieten sogenannte Vario-ND-Filter an. Dazu werden zwei Polfilter zueinander verdreht und dunkeln das Filter stufenlos ab. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Vario-NDs nur einen kleinen Bereich sauber und homogen "dimmen". Alle Aufnahmen entstanden bei ISO 200 und Blende f/5,6. Mit dem Dreh am Vario- ND-Filter wird die Belichtungszeit immer länger.

Unser Beispiel links oben ist mit einem fixen ND-Filter (1.000x) aufgenommen, die übrigen Bilder mit dem Vario-ND. Je weiter der Fotograf in den Extrembereich vorstösst, desto grösser ist derzeit noch die Gefahr von unkontrollierbaren Schatten, die über das Bild laufen (siehe untere Reihe). In der Theorie hat der Fotograf hier ein Werkzeug, mit dem er universell arbeiten kann und das zum Fokussieren einfach aufgedreht wird, statt es abzunehmen. In der Praxis sind viele derzeit verfügbaren Modelle noch nicht ausgereift. Aufgenommen v. l. n. r. mit 1.000x ND: 4s, Vario-ND: 1/125 s, Vario-ND: 1/80 s, Vario-ND: 1/13 s, Vario-ND: 1 s, Vario-ND: 4 s Fotos: Tobias F. Habura
Neutraldichtefilter

Fliessende Bewegungen, eine offene Blende trotz gleissenden Lichts oder gemässigte Kontrastunterschiede zwischen Himmel und Erde, auch menschenleere Plätze mit geisterhaften Gestalten - sie alle haben eins gemein: den Einsatz eines Graufilters. Diese reduzieren die Lichtmenge deutlich und machen so längere Belichtungszeiten beziehungsweise eine offenere Blende möglich. Verlaufsfilter wenden diesen "Dimmer" nur auf bestimmte Motivbereiche an, sodass ein zu hoher Kontrastunterschied gemildert werden kann. Fernab jeden Selbstzwecks erhöhen ND-Filter so den kreativen Spielraum des Fotografen

Ausgewogene Belichtung

In der Belichtung besteht häufig eine hohe Diskrepanz zwischen einem sehr hellen Himmel und dunkleren Motivbereichen. Belichtet der Fotograf auf die Lichter (den Himmel), laufen die Schatten zu und geben keinerlei Zeichnung mehr preis, umgekehrt überstrahlt der Himmel deutlich und eliminiert ebenfalls die Details. Abhilfe schafft ein Grauverlauffilter, das die zu hellen Bildbereiche abdunkelt und den Dynamikbereich für den Sensor erfassbar macht. Schraubfilter geben die Trennlinie zwischen hell und dunkel vor, daher sind hier Plattenfilter wie das Cokin-System von Vorteil. Die Filterscheiben überschreiten die Grösse des Objektivs und können über ihren Filterhalter in der Ausrichtung verändert werden. Mit ihnen bestimmt der Fotograf auch die Lage der Horizontlinie. ISO 200, f/8, 1/500 s.

Fotos: Tobias F. Habura

Autor: tfh

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