2012 World Press Photo Contest
Leise Töne
Schrill und schräg schreien uns die Pressefotos entgegen. Sie fesseln uns, reißen uns mit sich in emotionale Abgründe ... - So das Klischee, dem die Siegerbilder des "World Press Photo Contest" in diesem Jahr so gar nicht entsprechen wollen.
Unglaubliche 101.254 Fotos von 5.247 Fotografen aus aller Welt trafen bei der World Press Photo Foundation in der Amsterdamer Jacob Obrechtstraat 26 ein. Schon das Sichten und Zuordnen der Einsendungen war eine Herkulesaufgabe, ganz zu schweigen von der Selektion bis hin zur Bewertung durch die vielleicht anspruchsvollste Jury der Welt mit 19 Koryphäen der internationalen Fotografie-Szene. Die brauchten ganze zwei Wochen, um eine Essenz aus dem besten Bildmaterial aus Politik, Unterhaltung, Natur, Menschen und Sport zu extrahieren. Und diese ist von so großer Homogenität, dass man meinen könnte, sie sei das Werk eines Einzelnen. Bemerkenswert.
Erster Platz "Contemporary Issues Stories" Fotografin Stephanie Sinclair (USA, VII Photo Agency) für das National Geographic Magazin: Nahezu die Hälfte aller Frauen im Jemen werden als Kinder verheiratet. © Stephanie Sinclair, VII Photo Agency, National Geographic Magazin
Auffällig an der Bildauswahl vorwiegend ästhetisch wohl formulierter Motive ist, dass sie viel mit der Rolle der Frau zu tun hat. Der Schöpfer des "World Press Photo of the Year 2011" und somit Gesamtsieger des "2012 World Press Photo Contest", Samuel Aranda aus Spanien, fing für die New York Times einen Moment größten Schmerzes ein: Eine Frau hält während der Proteste gegen Präsident Saleh in Sanaa, Jemen, einen verwundeten Verwandten in ihren Armen. Jurymitglied und Kunstsachverständiger aus Kamerun, Koyo Kouoh, fasst zusammen: "Das Foto spricht für die ganze Region: Es steht für Jemen, Ägypten, Tunesien, Libyen, Syrien, für alles, was während des Arabischen Frühlings geschah. Aber es zeigt auch eine private, intime Seite dessen, was vor sich geht. Und es veranschaulicht die Rolle der Frauen, nicht nur als Pflegekraft, sondern als aktiver Mensch im Moment."
Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern finden Sie in der PHOTOGRAPHIE Ausgabe 04/2012
Autor: A. Spaeth